Immobilienpreise in Deutschland: Anstieg verliert im zweiten Quartal 2026 deutlich an Tempo

Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland sind im zweiten Quartal 2026 nur noch um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am 24. September 2026 auf vorläufiger Datenbasis mit. Gegenüber dem ersten Quartal 2026 legten die Preise um 0,3 Prozent zu – der siebte Anstieg in Folge, allerdings mit spürbar geringerem Tempo als in den vorangegangenen Quartalen.

Die Wiesbadener Behörde revidierte zugleich den zunächst gemeldeten Wert für das erste Quartal 2026 von 1,4 auf 1,2 Prozent nach unten. Erfasst werden im Häuserpreisindex Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Eigentumswohnungen, die als Gesamtpaket aus Grundstück und Gebäude den Eigentümer wechseln, unabhängig davon, ob die Immobilie selbst bewohnt oder vermietet wird. Zwischen 2010 und 2025 hatten sich die Preise für diese Objekte laut Destatis um rund 82 Prozent verteuert, sodass die aktuelle Abschwächung keinen Trendbruch markiert, wohl aber eine deutliche Verlangsamung gegenüber den Boomjahren.

Zur Einordnung lohnt der Blick zurück: Im dritten Quartal 2023 hatte der Häuserpreisindex mit einem Minus von 10,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal den stärksten Rückgang seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000 verzeichnet, nachdem die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen zwischen Sommer 2022 und Herbst 2023 in schneller Folge angehoben hatte. Erst ab dem Jahresende 2024 kehrte der Index in den positiven Bereich zurück. Gemessen an diesem Einbruch wirkt das aktuelle Plus von 0,6 Prozent bescheiden, markiert aber immerhin die siebte Quartalssteigerung ohne Unterbrechung.

Metropolen geben nach, andere Großstädte ziehen an

Die regionale Entwicklung fiel im Frühjahrsquartal so unterschiedlich aus wie seit Langem nicht mehr. In den sieben größten Metropolen – Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf – gaben die Preise für Eigentumswohnungen sowohl im Vergleich zum Vorjahresquartal (minus 0,4 Prozent) als auch zum Vorquartal (minus 0,5 Prozent) leicht nach. Kreisfreie Großstädte außerhalb dieser Top-7-Gruppe verzeichneten dagegen einen Anstieg um 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. In dicht besiedelten ländlichen Kreisen sanken die Preise sowohl binnen Jahresfrist (minus 1,8 Prozent) als auch gegenüber dem ersten Quartal 2026 (minus 1,3 Prozent).

Destatis weist den Häuserpreisindex regelmäßig getrennt nach fünf Regionstypen aus, von sehr ländlichen Gebieten bis zu den Metropolen. Trotz des jüngsten Rückgangs bleibt das Preisniveau in den Top-7-Städten nach Angaben der Behörde deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt.

Bauzinsen und Leitzins ziehen parallel an

Parallel zur Preisentwicklung sind die Finanzierungskosten für Immobilienkäufe in den vergangenen Wochen weiter gestiegen. Nach Angaben des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp lag der effektive Jahreszins für zehnjährige Darlehen bei einem Beleihungsauslauf von 80 Prozent in der Woche vom 14. bis zum 20. September 2026 bei 4,20 Prozent; je nach Beleihungsauslauf reichte die Spanne von 4,08 bis 4,49 Prozent. Oliver Kohnen, Geschäftsführer des Kreditvermittlers Baufi24, führte den Anstieg auf die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zurück, die im August 2026 auf rund 3,31 Prozent kletterte – den höchsten Stand seit 15 Jahren.

Am 10. September 2026 erhöhte der EZB-Rat unter Präsidentin Christine Lagarde die Leitzinsen im Euroraum um 0,25 Prozentpunkte. Der für Sparerinnen und Sparer maßgebliche Einlagensatz stieg damit auf 2,50 Prozent, nachdem er bereits im Frühjahr 2026 von 2,00 auf 2,25 Prozent angehoben worden war. Nach Einschätzung von Interhyp hängen Bauzinsen nicht unmittelbar vom Leitzins ab, sondern orientieren sich vor allem an der Rendite von Pfandbriefen und Bundesanleihen; dennoch habe die Zinserhöhung den Aufwärtsdruck verstärkt, den zuletzt bereits gestiegene Energiepreise infolge des Konflikts im Nahen Osten ausgelöst hätten.

„Immobilienkäufer sollten sich weniger an einzelnen EZB-Schritten als an den Entwicklungen am Anleihemarkt orientieren. Käuferinnen und Käufer sollten sich darauf einstellen, dass das Niveau vorerst oberhalb der 4-Prozent-Marke bleibt.“

— Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe, 10. September 2026

Steigende Baupreise und der staatliche „Bau-Turbo“

Neben den Finanzierungskosten belasten weiterhin die Baupreise private wie professionelle Bauherren. Die Preise für neu errichtete Wohngebäude lagen im Mai 2026 laut einer korrigierten Erhebung des Statistischen Bundesamts um 5,0 Prozent über dem Vorjahreswert. Mit einem als „Bau-Turbo“ bezeichneten Gesetzesvorhaben verfolgt die amtierende, aus Union und SPD gebildete Bundesregierung das Ziel, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und den Wohnungsbau anzukurbeln.

Schätzungen, auf die sich die Bundesregierung stützt, gehen von einem Fehlbestand von rund einer Million Wohnungen in Deutschland aus. Einen jährlichen Neubau von 400.000 Wohnungen hatte die vorherige, SPD-geführte Regierung versprochen – ein Ziel, das sie in keinem einzigen Jahr ihrer Amtszeit erreichte. Ob der „Bau-Turbo“ daran etwas ändert, hängt nach Einschätzung von Branchenvertretern auch davon ab, wie sich Bauzinsen und Baupreise in den kommenden Quartalen weiterentwickeln.

Der vdp-Index zeichnet für das erste Quartal ein anderes Bild

Ein methodisch anderer Blick auf den Markt ergibt sich aus dem Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp), der Mitte Mai 2026 veröffentlicht wurde und auf Transaktionsdaten von mehr als 700 finanzierenden Banken sowie der Sparkassen-Finanzgruppe beruht. Für das erste Quartal 2026 wies der vdp-Index einen Anstieg der Immobilienpreise von insgesamt 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus, wobei Wohnimmobilien mit 2,3 Prozent stärker zulegten als Büro- (1,9 Prozent) und Einzelhandelsimmobilien (1,5 Prozent). Selbstgenutzte Eigenheime und Eigentumswohnungen verteuerten sich innerhalb des Wohnsegments mit 2,5 Prozent etwas stärker als Mehrfamilienhäuser, deren Preise laut vdp um 2,2 Prozent zulegten. Angeführt von Hamburg mit einem Plus von 4,9 Prozent vor Düsseldorf (4,1 Prozent), Frankfurt am Main und Köln (je 4,0 Prozent), München (3,5 Prozent), Berlin (2,9 Prozent) und Stuttgart (1,7 Prozent), stiegen die Preise für Wohnimmobilien in den Top-7-Städten laut vdp im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 3,6 Prozent.

Die Differenz zu der von Destatis für das erste Quartal 2026 revidierten Rate von 1,2 Prozent erklärt sich vor allem aus der Datengrundlage. Während der amtliche Häuserpreisindex sämtliche notariell beurkundeten Kauffälle in Deutschland erfasst, bildet der vdp-Index gezielt fremdfinanzierte Transaktionen ab, die überproportional aus nachgefragten Lagen stammen. Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des vdp, bewertete die Marktlage bei Veröffentlichung des Index so: „Die Immobilienpreise sind erneut mit moderatem Rückenwind ins Jahr 2026 gestartet, sie haben damit den Aufwärtstrend des Vorjahres untermauert.“ Zugleich verwies er auf die Unsicherheit durch den Konflikt im Nahen Osten, dessen Auswirkungen sich in den Zahlen des ersten Quartals „noch wenig Niederschlag“ gefunden hätten.

Ergänzend veröffentlichte die Deutsche Bundesbank gemeinsam mit vdpResearch erstmals einen eigenen Index für gewerblich genutzte Immobilien, der für das erste Quartal 2026 einen Preisanstieg von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auswies. Beide Institutionen begründeten die neue Reihe mit dem Bedarf an einer belastbareren Datengrundlage für Büro- und Handelsimmobilien, nachdem der gewerbliche Teilmarkt während der Zinswende 2022 bis 2023 mit teils zweistelligen Preisrückgängen deutlich stärker gelitten hatte als der Wohnsektor.

Mieten ziehen weiter an

Auch bei den Neuvertragsmieten für Mehrfamilienhäuser registrierte der vdp im ersten Quartal 2026 einen Anstieg um 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert, in den Top-7-Städten mit durchschnittlich 2,4 Prozent etwas schwächer. Die Spanne reichte dort von 3,9 Prozent in Hamburg bis 1,3 Prozent in Berlin, wo die Neuvertragsmieten damit wie schon in den Vorquartalen unterdurchschnittlich zulegten. Anders als bei den Bestandsmieten laufender Verträge, die im Schnitt deutlich langsamer steigen, erfasst der vdp hier ausschließlich Mietangebote für neu abgeschlossene Verträge im frei finanzierten Bestand. Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung appellierte Tolckmitt an die Politik, die im „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ bereits vorgelegten regulatorischen Vorschläge konsequent umzusetzen; das sei nach seiner Einschätzung zielführender und schneller wirksam als die in Teilen der Koalition diskutierte Gründung einer neuen Bundeswohnungsbaugesellschaft.